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Kapital für den Mittelstand

 

Am Kapitalmarkt erleben wir in diesem Herbst zweierlei: eine vorsichtige Renaissance der Börsengänge – aber auch die Schwierigkeiten, mit denen große und kleine IPO’s (Initial Public Offerings) in Deutschland zu kämpfen haben. Mit bis dato 12 Börsengängen in diesem Jahr und einem Emissionsvolumen von 6,8 Milliarden Euro (Stand 30.10.2015) konnte so viel Kapital eingesammelt werden wie zuletzt 2007, dem Jahr vor der großen Finanzkrise. Allerdings verteilte sich das Gesamtvolumen damals auf insgesamt 44 Börsengänge und damit auch auf eine Reihe kleinerer IPO’s. In diesem Jahr waren es dagegen vor allem die großen Gesellschaften wie das Bayer-Spin-Off Covestro, das Internetportal Scout24 oder Hapag-Lloyd, die den Markt dominierten. Und selbst diese großen, im Milliardenbereich angesiedelten, IPO’s hatten Gegenwind erfahren und mussten zum Teil beim Emissionspreis den unsicheren Märkten entgegenkommen. Börsengänge kleinerer mittelständischer Unternehmen wie die der Steilmann AG, der Elumeo SE oder der Erlebnis Akademie AG waren die Ausnahme und sind umso bemerkenswerter.

Berührungsängste trotz Börsenfähigkeit beim Mittelstand
Was ist mit dem Mittelstand, meidet er den Kapitalmarkt? Ist er auf der Suche nach einer Börse 2.0, wie von der Politik gefordert? Fest steht, die Börse ist und bleibt ein wichtiges Finanzierungsinstrument nicht zuletzt mit Rücksicht auf ein sich veränderndes Finanzierungsumfeld für mittelständische Unternehmen. Neue regulatorische Rahmenbedingungen werden alternative Finanzierungsformen zur klassischen Bankfinanzierung stärker in das Blickfeld rücken. Der Kapitalmarkt stellt dabei eine sinnvolle Alternative dar. Im Verhältnis zu anderen Nationen und angesichts der Vielzahl börsenfähiger Unternehmen wird dieses Finanzierungsinstrument hierzulande allerdings noch sehr zurückhaltend genutzt. Deutschland als größte Volkswirtschaft in der EU hat in Sachen Kapitalmarktfinanzierung erheblichen Nachholbedarf. Initiativen auf Europäischer Ebene wie das jüngst angestoßene Projekt einer „Kapitalmarktunion“, die auf eine Stärkung der Kapitalmärkte und der Kapitalmarktfinanzierung zielt, sind deshalb ein positives Signal und verdienen volle Unterstützung. 

Regulatorisches Umfeld verbesserungsbedürftig
Die Bemühungen der Politik erscheinen vom europäischen und nationalen Gesetzgeber insgesamt allerdings nicht immer stringent umgesetzt. So ist es zentrales Anliegen der Kapitalmarktunion, den Zugang zu den Kapitalmärkten zur Diversifizierung der Unternehmensfinanzierung – insbesondere für KMU’s – zu erleichtern. Dieser Zielsetzung stehen jedoch bereits realisierte bzw. in Planung befindliche Regulierungsmaßnahmen gegenüber, die nicht immer ins Bild passen.

Ein plakatives Beispiel ist die immer wieder geforderte Einführung einer Finanztransaktionssteuer, die sich gerade auf den Handel von in der Regel weniger liquiden Wertpapieren kleinerer Unternehmen negativ auswirken kann. Hierzu gehören aber vor allem auch die Neuregelungen der europäischen Marktmissbrauchsverordnung. Ab Mitte 2016 besteht auch für Emittenten im Freiverkehr die Verpflichtung zur Veröffentlichung von Ad-hoc-Mitteilungen und Directors’ Dealings sowie die Führung von Insiderlisten. Die Transparenzanforderungen an Freiverkehrsemittenten werden damit den bereits heute für den Regulierten Markt geltenden Standards angenähert. Für eine Vielzahl mittelständischer Unternehmen, die heute überwiegend im Freiverkehr oder einem qualifizierten Freiverkehrssegment notiert sind, bedeutet dies einen erheblichen organisatorischen und damit auch finanziellen Mehraufwand. Zugleich wird der Markt damit aber auch massiv aufgewertet und für neue Investoren erschlossen, die aufgrund von Anlagerichtlinien im Freiverkehr bisher zurückhaltend waren. Die Börse München und ihre Partner unterstützen die betroffenen Unternehmen mit themenbezogenen Veranstaltungen und Informationen, damit sie sich auf die neuen Anforderungen optimal vorbereiten und von der Aufwertung auch profitieren können.

Bankensektor und Kapitalmarkt ergänzen sich
Weiter unverzichtbar sind Banken und sonstige Intermediäre als notwendige Begleiter von Kapitalmarkttransaktionen. Die für die Funktionsfähigkeit der Kapitalmärkte essentielle Rolle dieser Marktteilnehmer darf durch die sich stetig vertiefende Regulierung nicht gefährdet werden. Denn ein funktionierender Bankensektor und ein funktionierender Kapitalmarkt bedingen sich im Sinne eines Komplementärverhältnisses gegenseitig. Zu diesem Ergebnis kommt jedenfalls ein von der Finanzplatz München Initiative FPMI bei Prof. Christoph Kaserer von der TU München in Auftrag gegebenes Gutachten: Geht es dem einen Sektor gut, profitiert auch der andere davon – wird der eine geknebelt, blüht auch der andere nicht auf.

Voraussetzungen für mehr mittelständische Börsengänge
Damit tatsächlich mehr mittelständische Unternehmen den Kapitalmarkt nutzen, ist zweierlei erforderlich: Der Aufwand des Going Public wie auch des Being Public muss den Bedürfnissen und der Größe des Unternehmens angemessen sein. Und es muss ein ausreichend hohes Transparenzniveau geschaffen werden, um Investitionen in das betreffende Unternehmen attraktiv zu machen, sprich eine ausreichende Zahl von Anlegern zu gewinnen. Dann können auch KMU‘s von der Finanzierung über den öffentlichen Kapitalmarkt profitieren. Denn ausreichend Kapital ist notwendig, um sich in einer globalisierten Welt zu behaupten. Der Wettbewerb nicht nur um Rohstoffe, Fachkräfte und Kunden, sondern auch um Investitionen wird immer härter und internationaler.

Going Public und Being Public für den Mittelstand erleichtern
Die Börse München ist im Mittelstand verwurzelt und kennt die Bedürfnisse kleinerer und mittlerer Unternehmen sehr genau. Ein persönlicher und intensiver Kontakt zu Emittenten ist uns besonders wichtig. Dieser reicht von der ersten Idee, an den Kapitalmarkt zu gehen, bis hin zum Börsengang selbst und der Notierungsaufnahme an der Börse. Bereits vor zehn Jahren haben wir mit m:access ein Segment im Freiverkehr geschaffen, das mittelständischen Unternehmen das Going und Being Public erleichtert.

Ausreichende Anlegerinformation trotz reduzierter Bürokratie
Die Börse München fordert für m:access ein Minimum an Bürokratie bei einem hohen Maß an Information für Anleger. So können die in m:access notierten Unternehmen ihre Rechnungslegungspflichten nach HGB-Standards erfüllen und müssen nicht nach dem internationalen Standard IFRS bilanzieren, wie dies in der Regel im Regulierten Markt erforderlich ist. Auch auf eine Quartalsberichterstattung wird verzichtet, vorgeschrieben ist lediglich ein zum Halbjahr zu veröffentlichender Emittentenbericht. Die Transparenz für den Anleger schafft m:access über eine direkte und auf das Wesentliche konzentrierte Informationspolitik, die beispielsweise die Veröffentlichung wichtiger Unternehmensmeldungen durch „Corporate News“ beinhaltet. Denn gerade bei Nebenwerten spielt die Qualität der Information eine wesentliche Rolle, weniger die Quantität der verfügbaren Daten. Diesem Gedanken folgend präsentieren sich Emittenten zudem einmal jährlich vor interessiertem Fachpublikum. Hierfür organisiert die Börse München Analystenkonferenzen, für alle in m:access notierten Unternehmen eine gerne wahrgenommene Gelegenheit, Investoren, Analysten und Journalisten aus erster Hand über Strategie und Entwicklung des Unternehmens zu informieren.
 
Interessante Vielfalt im Börsensegment m:access
Derzeit sind 57 Aktiengesellschaften mit einer Marktkapitalisierung von insgesamt 13 Milliarden Euro in m:access gelistet. Hierunter finden sich Gesellschaften aus einer Vielzahl von Branchen und ganz unterschiedlichen Größenordnungen. Die Emissionsvolumina der bislang in m:access erfolgten Börsengänge bewegen sich vom kleinsten Börsengang mit einem Emissionserlös von gerade einmal 1,5 Mio. Euro bis zu Erlösen von ca. 73 Mio. Euro. Mit nachfolgenden weiteren Kapitalmaßnahmen (sog. Secondaries) gelingt es den Unternehmen daneben immer wieder, frische Gelder zur weiteren Wachstumsfinanzierung einzuwerben. Das Segment m:access beheimatet heute Unternehmen aus dem gesamten Bundesgebiet, aus Österreich, der Schweiz und den Niederlanden. Es sind jedoch gerade auch die bayerischen Unternehmen, die für den Erfolg dieses Qualitätssegments stehen, wie etwa die Steico SE, die VIB Vermögen AG, die Mensch und Maschine SE oder die Baader Bank AG, Deutschlands führendes Wertpapierhandelshaus, und gleichzeitig Makler an der Börse München. Jüngstes Mitglied in m:access ist die Erlebnis Akademie AG aus Bad Kötzting im Bayerischen Wald, ein auf edukative Freizeitaktivitäten fokussiertes Unternehmen, das mit einem eher kleinvolumigen Börsengang den mutigen Schritt auf das Börsenparkett gewagt hat.

m:access auch Plattform für Fremdkapitalfinanzierung
Das Segment m:access kann jedoch nicht nur zur Aufnahme von Eigenkapital genutzt werden, sondern steht auch Emittenten von Unternehmensanleihen und somit als Fremdfinanzierungsplattform zur Verfügung. Diese Möglichkeit wurde bislang von ganz unterschiedlichen Emittenten in Anspruch genommen - durchweg jedoch bayerische Unternehmen, zuletzt von der Royalbeach GmbH, einem Sportartikelhersteller aus der Nähe von Traunstein.

Börse München als Partner des Mittelstand bei der Kapitalmarktorientierung
Ob Eigen- oder Fremdkapitalmaßnahme, die Börse München und ihre Emissionsexperten begleiten den Schritt an den öffentlichen Kapitalmarkt ganz persönlich und von Beginn an. Die von der Börse und den Märkten geforderte Transparenz bietet eine Reihe von Vorteilen. Neben einer diversifizierten Finanzierungsstruktur und der damit erzielten Unabhängigkeit von einer einzigen Finanzierungsart, etwa der reinen Bankenfinanzierung, bedeutet eine Börsennotierung nicht zuletzt auch eine erhöhte Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit. Dies kann vielfältige Wirkungen zeitigen, im B2B-Bereich oder aber bei der Rekrutierung von Fach- und Führungskräften. Auch die Nachfolgeregelung kann über einen Börsengang oftmals deutlich erleichtert werden. Mit Blick auf den Erfolg von m:access sind wir optimistisch, dass die Kapitalmarktorientierung auch der kleineren und mittleren Unternehmen in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnt.

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