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Die Zukunft der Arbeit – Wie kann der Mittelstand planen? 

  

Wie werden wir morgen arbeiten? Arbeiten wir überhaupt noch und wenn ja wie lange? Was wird aus der oft zitierten Balance zwischen Arbeits- und Freizeit und dem drohenden Fachkräftemangel? Diesen und weiteren Fragen widmet sich der folgende Artikel, räumt dabei gleichzeitig mit manchem Vorurteil auf und gibt gerade kleinen und mittelständischen Unternehmen Hinweise darauf, wie wir morgen arbeiten werden und arbeiten wollen.

Nur ein Zehntel der Lebenszeit wird für die Arbeit verwendet
Lange Zeit hielt sich die Begeisterung für die Arbeit bei den meisten Menschen in überschaubaren Grenzen. Schon in der Bibel war sie die Strafe Gottes für den Sündenfall: Erst nach der Vertreibung aus dem Paradies mussten die Menschen ihr Brot im Schweiße ihres Angesichts verdienen. Mit Worten wie Mühe und Last im Sinne auferlegter Belastung wurde der Begriff der Arbeit dann auch in den meisten Sprachen ursprünglich beschrieben. So bedeutet etwa das mittelhochdeutsche Wort „arebeit“ Mühe, das gotische „arbaiphs“ kann mit Not oder Bedrängnis übersetzt werden, der griechische Begriff „ponos“ mit Last, das russische „Rabota“ gar mit Sklave und das spätlateinische „tripalare“ mit quälen. Und heute? Mittlerweile ist der Begriff Arbeit deutlich positiver besetzt. Dieses liegt sicherlich auch an der abnehmenden Lebensarbeitszeit, denn schon lange ist Arbeit nicht mehr das halbe Leben. So hat sich das Verhältnis zwischen der Berufszeit und der Zeit außerhalb des Berufs im Laufe der letzten 100 Jahre in einem fast unglaublichem Ausmaß verschoben. Diese Entwicklung begründet sich vor allem in der kontinuierlichen Verlängerung der statistischen Lebenszeit sowie zum kleineren Teil auch in der erheblichen Verkürzung der Arbeitszeit. Heute arbeiten wir nur noch etwa 10 Prozent unseres Lebens. Diese Behauptung lässt sich leicht beweisen: Vollzeitbedienstete haben eine durchschnittlichen Netto-Jahresarbeitszeit von rund 1.600 Stunden. Multipliziert man diese Stundenzahl mit sehr großzügig angenommenen 45 Arbeitsjahren, entfallen auf die in der Arbeitswelt verbrachte Zeit etwa 72.000 Stunden. Das ist rund ein Zehntel der durchschnittlichen Lebenszeit, die in unseren privilegierten Breiten etwa 720.000 Stunden beträgt. Zukünftig könnte zwar die Lebensarbeitszeit kontinuierlich ansteigen, aber noch rasanter verlängert sich garantiert die statistische Lebenserwartung, nämlich um zwei bis drei Monate pro Jahr bzw. in 20 Jahren um bis zu fünf Jahre. In den kommenden zwei Jahrzehnten wird also der Anteil der Berufszeit die magische Zehn-Prozent-Marke nicht überschreiten, was sich erstaunlicherweise jedoch nur jeder vierte der repräsentativ befragten Deutschen vorstellen kann.

Zufriedenheit der Arbeitnehmer
Und wie zufrieden sind die Deutschen mit ihrer Arbeit? Insgesamt äußert sich die große Mehrheit der berufstätigen Bundesbürger recht positiv über ihren derzeitigen Arbeitsplatz. Allen voran die Beamten sowie die Selbstständigen und Freiberufler: über 90 Prozent sind mit und in ihrem Beruf glücklich. Hierbei schätzen Beamte besonders die Sicherheit, während Selbstständige die Freiheit, die Eigenverantwortung und den großen Gestaltungsrahmen betonen. Aber auch die meisten Angestellten sind mit ihrem Arbeitgeber zufrieden, wobei sich Frauen etwas positiver äußern als Männer. Leicht zurück liegt die große Gruppe der Arbeiter. Die geringste Identifikation mit ihrem Betrieb haben die jüngsten Arbeitnehmer: die Lehrlinge und Aus-zubildenden. Hier herrscht einerseits die stärkste Unsicherheit vor – „wie wahrscheinlich ist eine Übernahme?“ – anderseits sind Lehrjahre bekanntlich keine Herrenjahre und nach der Schule ist ein Achtstundentag häufig anstrengend und fordernd. Was ist für die Zukunft zu erwarten? Die Arbeit bleibt wichtig, steht aber immer seltener im alleinigen Fokus des Lebens. Auch die Deutschen leben nicht mehr um zu arbeiten, sondern arbeiten um zu leben. Hierbei wollen sie keine Job-Nomaden sein, die heute hier und morgen dort tätig sind, sondern sie schätzen die Beständigkeit und Sicherheit ihres Arbeitsplatzes, wollen Anerkennung erfahren sowie Herausforderungen bestehen, bekennen sich zu ihrem Unternehmen und zeigen eine hohe Betriebstreue. Daher ist es nicht verwunderlich, dass sich nur noch jeder fünfte Deutsche für die Selbstständigkeit interessiert. Um den sinkenden Zahlen der KMU entgegenzuwirken, ist es für die jetzigen Unternehmensinhaber von großer Bedeutung, sich frühzeitig um einen Nachfolger bzw. eine Nachfolgerin zu bemühen, den bzw. die Kandidaten/in intensiv in der Eingewöhnungsphase zu betreuen und ihnen die Betriebsführung insgesamt schmackhaft zu machen.

Work-Life-Balance: Richtiges Anliegen – falscher Begriff
Die Qualität des Lebens entwickelt sich zwischen Beruf bzw. Schule, Familie, Freizeit und Konsum. Für die Vereinbarkeit dieser Lebensbereiche hat sich in unserer Umgangssprache der Begriff „Work-Life-Balance“ eingebürgert. Dieser Begriff signalisiert zwar das richtige Anliegen, ist aber genau genommen falsch. Denn er suggeriert, dass es um eine Balance zwischen Beruf und Leben geht. In Wahrheit ist der Beruf selbstverständlich ein Teil des Lebens und es geht um eine möglichst hohe Lebensqualität in allen Bereichen unserer menschlichen Existenz. Unabhängig von der Begrifflichkeit zeigen die Deutschen bei der Bewertung dieses Themenkomplexes eine bemerkenswerte Einschätzungen: So gibt lediglich etwa jeder zehnte Bundesbürger an, dass sich derzeit Beruf und Familie in Deutschland gut vereinbaren lassen. Bei der Einschätzung, ob man persönlich in der Realität tatsächlich beides vereinbaren könne, steigt der Wert jedoch auf mehr als jeden vierten Bundesbürger an – bei den Familien stimmt sogar mehr als jeder Zweite der Aussage zu, Beruf und Familie persönlich in Balance zu halten. Die vorherrschende Meinung ist demnach deutlich schlechter als die gelebte Realität.

Frauen als Gewinnerinnen der zukünftigen Arbeitswelt
Deutschlands Frauen haben in den vergangenen Jahrzehnten im Bereich der Bildung eine beeindruckende Aufholjagd hingelegt. Hatte der überwiegende Teil der deutschen Frauen noch Anfang der 1970er-Jahre nur einen Volks- bzw. Hauptschulabschluss, so haben heute die jungen Frauen die jungen Männer sowohl von der quantitativen Anzahl, als auch bei qualitativen Notendurchschnitten an höheren Schulen und Universitäten überholt. Bisher setzte sich jedoch diese pädagogische Erfolgsgeschichte viel zu selten in den Karrierechancen und in der Gehaltshöhe fort. Die Unterschiede zwischen den Gehältern von Frauen und Männern sind mit rund 20 % in Deutschland größer als in den meisten anderen EU-Ländern und Frauen sind – trotz der immer besseren Qualifizierung – besonders selten in Führungspositionen zu finden. Nur 4 Prozent aller berufstätigen Frauen sind Führungskräfte. Bei den Männern sind es hingegen 10 Prozent aller Beschäftigten. Somit nimmt jeder zehnte berufstätige Mann eine Führungsposition ein, während nur jede 25. berufstätige Frau in der Führungsebene tätig ist. An eine Verbesserung dieser Situation glauben immerhin 51 Prozent der Bundesbürger.

Fachkräftemangel: Kluge Köpfe verzweifelt gesucht
71 Prozent der repräsentativ befragten Bundesbürger fürchten, dass der heimischen Wirtschaft in den kommenden zwei Jahrzehnten ein Mangel an Fachkräften droht. Genauer betrachtet geht es in Zukunft jedoch nicht nur um den immer wieder beklagten Fachkräftemangel, sondern um generell fehlende Arbeitskräfte. Denn in den nächsten 20 Jahren schrumpft die Zahl der erwerbsfähigen Menschen in Deutschland um rund 6,5 Millionen. Dieser Entwicklung könnten Wirtschaft und Politik im Wesentlichen durch fünf Maßnahmen entgegenwirken: 

  1. durch Erhöhung der Frauenerwerbsquote,
  2. durch die Förderung der Zuwanderung von Menschen mit arbeitsmarktrelevanten Qualifikationen und die Anerkennung ihrer Abschlüsse, 
  3. durch die bessere Integration von jungen Menschen mit Migrationshintergrund am Arbeitsmarkt, 
  4. durch die gezielte Weiterbildung und bessere Wiedereingliederung von Arbeitslosen in den Arbeitsmarkt, 
  5. durch die kontinuierliche Anhebung des faktischen Rentenalters in Verbindung mit einer altersgerechten Gestaltung der Arbeitsbedingungen.

Im Bereich des Fachkräftemangels im engeren Sinne kommt zu diesen fünf Maßnahmen noch eine sechste hinzu: Die gezielte Förderung von arbeitsmarktrelevanten Bildungsmaßnahmen, sowohl im Bereich des dualen Bildungssystems als auch an höheren Schulen und Hochschulen, ohne die zukunftsrelevanten allgemein- und persönlichkeitsbildenden Aufgaben der Bildungsarbeit zu vernachlässigen. Für kleine und mittelständische Unternehmen bedeutet dies ganz konkret, dass sich der Konkurrenzkampf um die sogenannten „High Potentials“ mit den großen Konzernen verschärfen wird. Daher gilt es, sich durch seine eigenen Vorteile bei den Arbeitnehmern zu profilieren. Diese können in regionalen Vorzügen, nachvollziehbarer und fairer Bezahlung, Arbeitsplatzsicherheit, Arbeitsplatzqualität, stärkerer Identifikationsmöglichkeit mit dem Unternehmen oder in der gewollten und akzeptierten Vereinbarkeit von Beruf und Familie liegen. Denn kleinere Betriebe sind flexibler als große und können sich demnach schneller an die bestehenden Bedingungen anpassen. Einen besonders großen Vorteil können die KMU aus dem Anbieten von Ausbildungsplätzen und dualen Studiengängen ziehen, da sie auf diese Weise Fachkräfte ganz nach ihren eigenen Vorstellungen ausbilden können.

Fazit:
Die Arbeitswelt der Zukunft wird sich ändern – sich jedoch nicht verschlechtern. Veränderungen bringen auch immer neue Möglichkeiten mit sich. Gerade kleine und mittelständische Unternehmen haben zahlreiche Chancen auch in Zukunft erfolgreich auf dem Markt zu agieren, wenn sie Herausforderungen erkennen, entsprechend reagieren und gleichzeitig sich und ihren Angestellten treu bleiben. Aber natürlich ist auch eine konsequente Förderung und Unterstützung von Seiten der Politik notwendig. Denn eines ist für die Zukunft der Arbeit in Deutschland gewiss: Der Mittelstand ist und bleibt Herz und Rückgrat unserer Gesellschaft und Wirtschaft.

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