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Auf was bei der Wahl eines Beteiligungspartners zu achten ist

 

Rund 250 Gesellschaften stellen in Deutschland den Unternehmen Beteiligungskapital zur Verfügung. Aber nicht jede Beteiligungsgesellschaft ist in gleicher Weise für jedes Unternehmen geeignet. Und da bei Geld bekanntlich die Gemütlichkeit aufhört, sollten sich Unternehmer frühzeitig über mögliche Partner informieren und Modalitäten abklären. Auf was gilt es dabei besonders zu achten?

1. Art der Beteiligung
Zahlreiche Beteiligungsgesellschaften engagieren sich nur in Form einer offenen Beteiligung. Das heißt, der Unternehmer gibt Gesellschaftsanteile ab. Andere beteiligen sich primär in stiller Form. Dritte wiederum machen beides und kombinieren z. T. beide Beteiligungsvarianten. Stille Beteiligungen greifen nicht in das Gesellschafterverhältnis ein. Sie sind ein universell einsetzbares und flexibel gestaltbares Instrument mit leicht kalkulierbaren Konditionen. Im Gegensatz zur stillen zeichnet sich die offene Beteiligung dadurch aus, dass keine laufenden Vergütungen anfallen. Wenn keine Gewinnausschüttung erfolgt, bleibt Liquidität kurzfristig im Unternehmen. Ein Besser oder Schlechter zwischen diesen Beteiligungsvarianten gibt es daher nicht: Es gibt ein mehr oder weniger geeignet für eine bestimmte Situation. Mit der Möglichkeit einer kombiniert offenen/stillen Beteiligung lassen sich die Vorteile der jeweiligen Varianten optimieren (vgl. hierzu auch Teil 1).

2. Eingriffsintensität
Manche Beteiligungsgesellschaften greifen unmittelbar in das unternehmerische Geschäft ein. Andere Beteiligungskapitalgeber halten sich bewusst aus dem operativen Geschäft heraus. Gerade für Familienunternehmen ist Variante zwei oft interessanter, da sie meist auch weiterhin Herr im Haus bleiben wollen.

3. Konditionen
Für stille Beteiligungen fallen regelmäßig ein festes und ein variables (gewinnabhängiges) Beteiligungsentgelt an, zum Teil auch so genannte equity kicker oder Wertzuwachspauschalen. Beim Vergleich der Angebote gilt es vor allem auch auf versteckte Kosten zu achten: Ausgabeabschläge, Bearbeitungsgebühren, Ratingkosten, Due Diligence-Kosten etc.

4. Branchenspezialisiert oder branchenübergreifend
Auf bestimmte Branchen fokussierte Beteiligungsgesellschaften besitzen Detailkenntnisse im jeweiligen Wirtschaftssektor und können ihren Partnerunternehmen ein hohes branchenspezifisches Know-how bieten. Auf der anderen Seite bieten nicht auf einzelne Branchen fokussierte Beteiligungsgesellschaften über die eigene Branche hinausgehende Kundenund Lieferantenkontakte und Beratung. Nicht immer muss es dabei aber „entweder – oder“ heißen. Branchenneutrale Beteiligungsgesellschaften mit einer großen Anzahl von Beteiligungspartnern können hierbei die Vorteile der beiden Varianten kombinieren. Sie beschäftigen Branchenspezialisten und haben gleichzeitig ein breites branchenübergreifendes Netzwerk.

5. Auf einzelne Unternehmensphasen fokussiert oder alle Unternehmensphasen übergreifend?
Einige Beteiligungsgesellschaften haben sich auf bestimmte Unternehmensphasen spezialisiert, zum Beispiel auf Start-up- oder Innovationsfinanzierungen. Andere engagieren sich unabhängig von der jeweiligen Unternehmensphase. Der besondere Vorteil hierbei: Die Firmen können längerfristig, auch über verschiedene Unternehmensphasen hinweg, begleiten.

6. Dauer des Engagements
Auch was die Dauer eines Engagements betrifft, verhalten sich die Beteiligungsgesellschaften unterschiedlich. Es ist darauf zu achten, dass das Beteiligungskapital für die Dauer des geplanten Investitionszyklus auch zur Verfügung steht. Da zum Zeitpunkt des Beteiligungsabschlusses oft noch nicht absehbar ist, wie die wirtschaftliche Situation zum Zeitpunkt der vereinbarten Rückzahlung wirklich sein wird, ist für viele Unternehmen besonders interessant: In welchem Umfang hat und bietet eine Beteiligungsgesellschaft die Möglichkeit, eine Beteiligung zu verlängern.

7. Ausstieg
Unternehmer, die ihr Unternehmen auch über die Beteiligung hinaus weiter selbst führen wollen, sollten eine Beteiligungsgesellschaft wählen, bei der der Rückkauf bzw. die Rückzahlung der Beteiligung durch den Unternehmer der Standard ist.

8. Gesellschafter / Investoren einer Beteiligungsgesellschaft
Viele Beteiligungsgesellschaften arbeiten auf der Basis zeitlich begrenzter Fonds. Die Folge: Die Beteiligungen müssen zu einem bestimmten Zeitpunkt verkauft werden. Hier kann die Situation entstehen, dass die Beteiligungsgesellschaft ihre Anteile zu einem bestimmten Zeitpunkt verkaufen muss (Exitdruck), selbst wenn dieser Augenblick für das Unternehmen nicht günstig sein sollte. Beteiligungsgesellschaften, die auf einen Evergreen-Fonds zurückgreifen oder unmittelbar eigene Mittel einsetzen, stehen nicht unter diesem Exitdruck. Andere Beteiligungsgesellschaften hängen von einem einzelnen Industrie-, Bank- oder Wirtschaftsunternehmen ab. Im Zweifelsfall stehen die Interessen dieses Kapitalgebers im Vordergrund und nicht die des Beteiligungsnehmers. Bei einer unabhängig oder neutral aufgestellten Beteiligungsgesellschaft besteht dieser Zielkonflikt nicht.

9. Erfahrung
Wer ist schon gerne der erste Patient eines Zahnarztes? Daher sollte ein Beteiligungsnehmer immer prüfen: Seit wann ist die Beteiligungsgesellschaft erfolgreich am Markt tätig? Wie viele Engagements, in welchen Branchen und in welcher Größe hat die Beteiligungsgesellschaft schon erfolgreich realisiert?

10. `Weiche Faktoren´
Bringt die Beteiligungsgesellschaft das nötige Verständnis und Wissen für das Geschäftsmodell des Unternehmens mit – was Größe, Zielsetzung, Strategie, regionales Umfeld des Unternehmens betrifft? Unterhält die Beteiligungsgesellschaft ein engmaschiges Netzwerk zu anderen Firmen, Banken und Beratungsunternehmen, die einen Gedankenaustausch fördern und neue Kunden- oder Lieferantenbeziehungen anbahnen? Hat das Beteiligungsunternehmen das notwendige Know-how zur betriebs- und finanzwirtschaftlichen Beratung?

 

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