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Mittelständische Beteiligungsgesellschaften (MBG)

 

Auf dem deutschen Markt agieren rund 250 Beteiligungsund Venture Capital-Gesellschaften. Darunter sind die 15 so genannten Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften (MBGen), die – regional nach Bundesländern aufgestellt – in zahlreichen Punkten eine Sonderstellung einnehmen.

Die Besonderheit beginnt bereits bei der Trägerschaft: Während „typische“ Beteiligungsgesellschaften im Allgemeinen vom Kapital eines Industrieunternehmens, einer Bank oder Privatpersonen getragen werden, sind MBGen breiter – industrie-, personen- und bankenneutral – aufgestellt: Sie werden getragen von den in den jeweiligen Bundesländern aktiven Geschäfts- und Genossenschaftsbanken, Sparkassen, Förderbanken, Verbänden und Kammern. Diese Aufstellung gewährleistet, dass nicht Interessen einzelner Eigentümer/Kapitalgeber im Vordergrund stehen.

 

Die meisten Beteiligungsgesellschaften besorgen sich ihr Kapital über Fundraisingmaßnahmen vom Markt und geben Fonds aus, bei denen die Geldgeber eine entsprechende Rendite erwarten, zum Beispiel über einen (schnellen) Verkauf der erworbenen Anteile. Hingegen refinanzieren sich die MBGen über Kredite ihrer Gesellschafter oder dem vorhandenen Eigenkapital. Die Kapitalgeber der MBGen erwarten keine Ausschüttung, Gewinne stehen für Reinvestitionen zur Verfügung. Die MBGen stehen so nicht unter Gewinnmaximierungs- oder Exitdruck. Die Zusammenarbeit mit den Unternehmen ist auf Langfristigkeit angelegt.

Partner des Mittelstands
Insgesamt setzen aktuell rund 6.000 Unternehmen in Deutschland Beteiligungskapital ein, davon entfällt rund die Hälfte auf die MBGen. Aber, was das Volumen betrifft, bewegt sich der MBG-Anteil mit einem Gesamtvolumen von knapp 1,1 Mrd. Euro bei keinen 50 Prozent, sondern bei rund 4 Prozent. Diese Zahlen belegen, die MBGen agieren nicht im Bereich zwei- oder dreistelligen Millionendeals, sondern im mittelständischen Geschäft. Engagements beginnen z. B. in Bayern bereits bei einem Volumen von 10.000 Euro, die Obergrenzen bewegen sich, je nach Bundesland, im einstelligen Millionenbereich. Die größten Engagements sind in Bayern möglich, dort engagiert sich die BayBG mit bis zu 7 Millionen Euro.

Universalbeteiligungsgesellschaft
MBGen sind keine Spezialfinanzierer, sondern Universalisten. Das gilt für die Branchen – sie engagieren sich mit wenigen Ausnahmen in nahezu allen Wirtschaftszweigen – ebenso für die Beteiligungsanlässe. Die Bandbreite der Finanzierungsanlässe reicht von der Frühphasen- und Innovationsfinanzierung über Existenzgründung bis zu Expansionsprojekten etablierter Unternehmen und die Begleitung der Unternehmensnachfolge im Rahmen von MBOs und MBIs. In einigen Bundesländern engagieren sich die MBGen auch bei der Restrukturierung oder bei Turnaround-Maßnahmen.

Herr im Haus
Die MBGen sind die traditionellen Anbieter von stillen Beteiligungen für den Mittelstand. Mehrere MBGen bieten aber auch offene Beteiligungen am Eigenkapital oder eine Kombination aus „offen“ und „still“ an. In jedem Fall handelt es sich auch bei den „offenen“ stets um Minderheitsbeteiligungen, so dass der Unternehmer Herr im Hause bleibt. Dies macht Finanzierungen durch eine MBG besonders für auf Kontinuität bedachte Familienunternehmen attraktiv. Die MBGen können mit ihrem breit gestreuten Gesellschafterkreis, die Einbindung in die öffentliche Förderung mit Bürgschaftsbanken und Landesförderinstituten sowie durch beste Kontakte zu Kammern und Verbänden, ein effizientes Netzwerk für ihre Unternehmen bieten. Die MBGen begleiten ihre Partnerunternehmen beratend, nehmen aber keinen unmittelbaren Einfluss auf das operative Geschäft.

Grenzen einer MBG-Finanzierung
Wie jeder Investor prüft auch eine MBG die an sie herangetragenen Projekte auf Chance und Risiko. Der Aufwand der von den MBGen durchgeführten Due diligence (Unternehmensprüfung) hält sich für das Unternehmen in Grenzen. Starre Mindestwerte für bisher erzielte Umsatz- oder Renditekennzahlen werden dabei nicht vorausgesetzt, aber sehr wohl das Unternehmenskonzept und die Strategie bewertet. Insbesondere die Realisierungschancen der Umsatzund Ertragsprognosen werden geprüft, denn wie üblich ist der künftige Cashflow in der Regel die einzige „Sicherheit“ eines Beteiligungskapitalgebers.

Eine weitere potenzielle Grenze der Finanzierbarkeit stellt die Eigenkapital-Parität dar. Doch diese Regel, nach der mindestens so viel Eigenkapital nachgewiesen werden muss wie eine MBG-Beteiligung gewünscht wird, ist nicht streng auf die zugehörige Bilanzposition beschränkt. Stille Reserven im Vermögen des Unternehmens, weiteres Vermögen beim Unternehmer oder dessen geldwerter persönlicher Einsatz können einbezogen werden und den Begriff „Eigenkapital“ inhaltlich zu einem „wirtschaftlichen“ Eigenkapitalbegriff hin erweitern.

Erweiterung des Kreditspielraums
Bei der Bonitätsbetrachtung durch Kreditinstitute wird derartiges Beteiligungskapital zu den haftenden Eigenmitteln gerechnet und erweitert damit den finanziellen Spielraum des Unternehmens. Nutzt ein Unternehmen eine MBGBeteiligung, erfährt es einen Bonitätssprung, der sich mit den verbesserten bilanziellen Relationen erklären lässt. Alleine die Tatsache, dass eine MBG das Unternehmen geprüft und für beteiligungsfähig befunden hat, macht es für Kreditinstitute zum attraktiven Kunden. Geringe Kreditzinsen dank abnehmender Risikozuschläge dürfen somit zu den indirekten und gut quantifizierbaren Folgen einer MBG-Finanzierung gezählt werden.

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